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Das Programm Grundbildung in Namibia

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Zu Zeiten der Apartheit war das Bildungssystem in Namibia hauptsächlich auf die weiße Minderheit ausgerichtet. Um diese Disparitäten zu beseitigen, wurden nach der Unabhängigkeit im Jahr 1990 von der Regierung der Republik Namibia weitreichende Reformen eingeleitet und jährlich bis zu 28% des Staatshaushalts für den Bildungssektor bereitgestellt.

Dorfschule im Norden Namibias Erste Anzeichen von Verbesserungen sind erkennbar: Eine Schulpflicht bis zum 16. Lebensjahr oder bis zum Abschluss der 10. Jahrgangsstufe wurde eingeführt. Mädchen haben gleichen Zugang zu den Bildungseinrichtungen wie Jungen. Die Einschulungsrate konnte auf 95% erhöht werden und 82% aller Schüler schließen die 7-jährige Primarstufe ab. Es wurden mehr Schulen und Klassenräume gebaut, mehr Lehrkräfte zur Versorgung der höheren Schülerzahlen eingestellt, wobei der Anteil der qualifizierten Lehrer erhöht werden konnte. Die Schüler-Lehrer-Relation konnte im Landesdurchschnitt auf 30:1 gesenkt werden.

Obwohl sich die namibische Regierung verpflichtet hat, den Zugang zu und die Qualität der Grundbildung zu verbessern, weist das Bildungssystem in Ausdehnung und Ausstattung und vor allem hinsichtlich der Qualität des Bildungsangebotes immer noch gravierende Mängel auf, trotz aller bisherigen Anstrengungen und den genannten Erfolgen. Insbesondere in den städtischen und ländlichen Armutsgebieten sind die Qualität des Unterrichts und damit auch Leistungstand bzw. Lernerfolg der Schüler zum Teil unbefriedigend.

Lediglich 25% der Schülerinnen und Schüler verfügen nach Beendigung der 6. Klasse über ausreichende Kompetenzen in den Bereichen Englisch und Mathematik. Nur 40% der Eingeschulten erreichen den Abschluss der 7. Klasse ohne ein Wiederholungsjahr. Durchschnittlich müssen 13 Schuljahre für den Abschluss nach der 10. Klasse aufgewendet werden. Fast 40% der Lehrerinnen und Lehrer haben keinen höheren Schulabschluss, 28% davon unterrichten ohne jegliche formale pädagogische Qualifikation.

Bild einer weissen Schule in Windhuk Die seit der Unabhängigkeit Namibias laufenden Maßnahmen zur Dezentralisierung des Bildungssystems und damit einhergehende Verwaltungsreformen sowie Strategien zur Verbesserung der Qualität des Planungs- und Managementsystems dauern noch an und sind mitunter sehr langwierig.

Im Rahmen der Dezentralisierung der öffentlichen Verwaltung nimmt der Bildungssektor als größter Staatssektor eine Vorreiter- und Sonderrolle ein. So sollen z.B. künftig die Einstellung und Versetzung von Lehrkräften sowie eine zeitnahe und dem regionalen Bedarf angemessene Budgetplanung und -verwaltung in die 13 Regionen des Landes dezentralisiert werden.

Zur Zeit erarbeitet das Erziehungsministerium eine umfassende Sektorsstrategie (Education and Training Sector Improvement Programme - ETSIP), die das gesamte Bildungssystem in dem kommenden 15 Jahren grundlegend reformieren und an die Bedürfnisse des 21. Jahrhunderts ausrichten soll. Der deutsche Unterstützungsbeitrag durch das Programm Grundbildung ist in die ETSIP-Gesamtstrategie eingebettet.

Stand: September 2006